TANGO

                                                        

Hier entsteht eine Liste mit Texten und Links zum Thema Tango

Den Beginn macht der Text von Ulli Barth:

TANGO ALS SELBSTERFAHRUNG                                                                                   

Eine sinnliche Reise zu sich selbst

                                       Tango Argentino

                                

Unter dem Überbegriff Tango wird sowohl ein Tanz als auch eine Musikrichtung verstanden. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts hat sich der Tango in verschiedenen Formen von Buenos Aires und Montevideo aus in der gesamten Welt verbreitet. Zur Unterscheidung gegenüber dem (gelegentlich Europäischer Tango genannten) Standardtango des Welttanzprogramms wird die ursprünglichere (weniger reglementierte) Form des Tanzes und die zugehörige Musik Tango Argentino genannt. Zutreffender als "argentinischer Tango" - und gelegentlich auch benutzt - wäre allerdings die Bezeichnung Tango vom Rio de la Plata. Eine begriffliche Unterscheidung ist in Argentinien und Uruguay selbst nicht üblich, dort spricht man einfach von Tango.

Philosophie des Tangotanzes

Im Gegensatz zu den genau festgelegten Figuren des Standardtanzes hat der Tango Argentino nur als Bühnentango eine festgelegte Choreografie. Die "Figuren" des Tango Argentino sind genau genommen verschiedene Schrittelemente, Drehungen und Techniken, die in beliebiger Weise miteinander kombiniert werden können. Wie auch in den früheren Zeiten versuchen die heutigen Tänzer und Tanzlehrer ihren Tanz immer weiter zu entwickeln und mit neuen Elementen zu bereichern. Da viel tänzerisches Wissen und Können in der Militärdiktatur verdrängt wurde, war in den 1980er und 1990er Jahren das Hauptaugenmerk auf die Neuentwicklung der Haltungsarbeit gerichtet; in den letzten Jahren wurde in der tänzerischen Avantgarde auf dieser Basis wieder mehr Wert auf interessante und herausfordernde Techniken gelegt. Allgemein wird Improvisation und ein kontinuierlicher Tanzfluss als essentiell bewertet. Um den Tanzfluss aufrecht zu erhalten, wird beispielsweise in den Tanzsälen grundsätzlich gegen den Uhrzeigersinn getanzt.

Elemente

Obwohl es sich beim Tango Argentino im Kern um einen Improvisationstanz handelt, hat sich eine Vielzahl von Tanzelementen herausgebildet. Die Tänzer können aus diesem "Baukasten" von Einzelelementen schöpfen, sie im Einklang mit der Musik immer wieder neu ausgestalten und kombinieren und so jeden Tanz individuell gestalten.

Die Grundelemente des Tango Argentino sind zunächst einfaches Gehen, das „Caminar“, Stopps und Drehungen. Argentinische Tangolehrer entwickelten als gliederndes Grundelement eine Schrittkombination, die sie „Base“ genannt haben: Sie besteht aus acht Schritten bzw. Positionen entsprechend den acht Zählzeiten eines (Tango-)liedteiles.

Normalerweise folgt auf einen Taktschlag ein Schritt. Es können aber auch Pausen eingelegt, oder die Schritte in ihrer Zeit halbiert werden. Je nachdem, wie der Führende sich von der Musik leiten lässt oder wie es die Platzverhältnisse auf der Tanzfläche erlauben, werden die Zeitelemente eingesetzt.

Typische Merkmale des Tanzes sind neben dem engen Kreuzen der Beine ("Kreuz" oder "Cruzada") die so genannten „Achten“ bzw. "Ochos", die vor allem von den Frauen getanzt werden. Dabei beschreiben die Füße der Tänzerin – wie der Name sagt – auf dem Boden eine Acht. Diese Acht kann in Vorwärts- wie Rückwärtsrichtung getanzt werden; mehrere Ochos hintereinander sind durchaus üblich. Während die Frau solche – natürlich geführten – Ochos tanzt, begleitet der Mann sie in der Regel mit einfachen seitwärts gerichteten Schritten.

Drehungen („Giros“ oder „Molinetas“ bzw. "Moulinetten") sind ebenfalls sehr beliebt; der Mann kann während des Drehens seine Füße an die der Partnerin stellen oder ihr sogar mit seinen Beinen an den Unter- oder Oberschenkeln einen leichten Impuls geben (eine Sacada oder Entrada, die aber nicht nur während einer Drehung getanzt wird).

Weitere Elemente sind die Boleos (Bein-Haken in der Luft; auch Voleo geschrieben) und die Ganchos (Bein-Haken am Partner/ der Partnerin), mit denen die Bewegungsrichtung schwungvoll geändert wird. Als aktuellen Trend gibt es noch Techniken mit Achsenkippung: Colgadas und Volcadas sowie das kurzzeitige Lösen der Tanzhaltung (Soltadas). Auf einen vollständigen Katalog von Schrittfolgen und Techniken muss hier allerdings verzichtet werden: Da immer wieder neue Elemente erfunden bzw. mitunter auch im Tanzen gefunden werden (zum Teil aus Missverständnissen heraus), und diese Elemente beliebig miteinander kombinierbar sind, ist es nur schwer möglich zu sagen, wie viele „Figuren“ es im Tango Argentino gibt.

Wichtig ist, dass alle Elemente immer im Bezug zur Musik getanzt werden. Viele Tangostücke weisen Rhythmuswechsel auf; langsame Passagen alternieren mit schnellen. Diese unterschiedlichen Tempi gilt es zu interpretieren. Gleichzeitig muss auf die Partnerin (bzw. auf den Partner) eingegangen, sowie (wie bei allen Paartänzen) die Tanzfläche im Auge behalten werden, um Zusammenstöße mit anderen Paare zu vermeiden. Dies alles macht den Tango Argentino zu einem anspruchsvollen und sehr interessanten Tanz.

Stilrichtungen

Beim Tanzen des Tango Argentino kann man zwischen verschiedenen Stilen unterscheiden (die Reihenfolge richtet sich hier nach der Häufigkeit):

  • Tango de Salón – Der Salontango (der vorzugsweise auf den Milongas in bessergestellten Gegenden getanzt wird) verzichtet auf komplizierte Techniken, um den Tanzfluss der anderen Paare nicht zu stören. Ein eleganter Tango-Stil, der sich durch langsame, gemessene und weich ausgeführte Bewegungen auszeichnet. Er enthält alle grundlegenden Tango-Schritte und -Figuren plus Sacadas, Giros und Boleos. Die Betonung liegt auf Präzision, Glätte und eleganten Linien. Die Umarmung ist nicht so eng wie in älteren Stilen und flexibler; sie öffnet sich ein wenig, um Raum für verschiedene Figuren zu schaffen, und schließt sich wieder für Unterstützung und Gleichgewicht. Häufig gelehrt wird eine Haltung, bei der auf der umarmenden Seite ein enger Kontakt besteht und an der gegenüber liegenden Seite ein gewisser Abstand bleibt (von oben betrachtet sind die Oberkörper so in einer V-förmigen Anordnung). Man tanzt diesen Stil z.B. zur Musik von Biagi.

  • Estilo Milonguero – Mit diesem Begriff bezeichneten ursprünglich Europäer und einige Nordamerikaner den Tanzstil in sehr enger Umarmung; auch Confiteria-Stil, Club-Stil, Apilado-Stil usw. genannt. Ist gewöhnlich in sehr überfüllten Single-Clubs im Zentrum von Buenos Aires zu sehen. Dieser Stil wird in sehr enger Umarmung mit vollem Oberkörperkontakt getanzt, wobei sich die Partner etwas aneinander lehnen (aber niemals aneinander hängen) und einfache Geh- und Drehschritte ausführen. Dieser Stil erfordert eine eher rhythmisch betonte Musik. Eine neu aufkommende Variante (der Villa Urquiza-Stil) verbindet die Milonguero-Haltung und reduzierte Figuren mit Fußverzierungen der Frau. Man tanzt diesen Stil z.B. zur Musik von D'Arienzo.

  • Tango Nuevo – Ein weiter Stil, welcher in der Körperhaltung sehr offen und meist zu moderner, mit Technoelementen versetzter Musik getanzt wird. Dieser Tanzstil erfordert von den Tänzern einen sehr guten Stand in der eigenen Achse und ist besonders bei jüngeren Tanzpaaren beliebt. Charakteristisch sind u.a. Elemente, die mit der Aufgabe der Achse eines bzw. beider Tanzpartner spielen (Colgadas, Volcadas). Man tanzt diesen Stil z.B. zur Musik von Gotan Project.

  • Tango Líquido - Ein sehr junger Stil, in dem die recht enge Haltung des Salon-Tango und die offenere Haltungsarbeit des Tango nuevo fließend ("líquido", also flüssig) ineinander übergehen, um sowohl die Nähe des Tango salon als auch die Dynamik des "Neuen Tango" tanzen zu können. Er eignet sich für die Tango-Musik-Stile, in denen Techniken des Tango nuevo angebracht erscheinen, die Tänzer außer den dramatischen Bewegungen des Tango Nuevo auch die Nähe des Anderen spüren wollen; z.B. zu dramatischer Musik wie von Pugliese.

  • Tango Orillero - Der wilde, explosive Tanzstil aus den ärmlichen Vororten (orillas) von Buenos Aires und Montevideo. Er ist eng verwandt mit dem Milonguero-Stil und ein direkter Abkömmling der Canyengue. Wird häufig auf Candombes getanzt.

  • Canyengue – Ein sehr alter Tango-Stil aus der Zeit zwischen der Jahrhundertwende und dem Beginn der 1940er Jahre. Der Musik dieser Ära war ein schnelles, fetziges 2/4-Metrum eigen, so dass der Tanz eher rhythmisch betont war, ähnlich der modernen Milonga. Charakteristisch sind eine besonders enge Umarmung mit starkem Kontakt im Becken-Bereich sowie einige einzigartige Haltungs- und Fußarbeit-Elemente; so werden z.B. heftige Bewegungen des Arm- /Schultergürtels verwendet. Auf dieser Grundlage könnte sich der europäische Tango (vor dem Hintergrund der Körperhaltung in anderen europäischen Tänzen) entwickelt haben. Man kann diesen Stil besonders auf die frühesten Tangos (z.B. alte Aufnahmen von "El choclo") und alte Milongas tanzen - häufig auch auf Candombes.

  • Tango Fantasía – Ein „Hybrid-Tango“, eine Mischung aus traditionellen Tangoschritten, Tango nuevo, Ballet/Modern Dance, Gymnastik, Eistanz etc. Die Art von Tanz, die man meistens zu sehen bekommt, wenn man in eine der großen Tango-Shows geht. Die Bewegungen umfassen alle Grundbewegungen des Tango plus Ganchos, Sacadas, Boleos, Sentadas, Kicks, Sprüngen, Hebungen und alles andere, von dem der Choreograph und die Tänzer glauben, das es das Publikum erfreut. Wurde auf den rioplatensischen Kabarett-Bühnen entwickelt. Für die Musikauswahl gilt das gleiche, was für die Technik-Auswahl gilt: Das, was Choreograf und Puplikum gefällt.

Milonga und Vals

Neben Tango wird auf den Tanzveranstaltungen auch die schnellere Milonga (die ihren Namen wohl auch dem Ort des Tanzens lieh) und der Tango Vals (auch Vals Cruzado genannt) gepflegt. Bei beiden Tänzen werden im Prinzip die Elemente des Tango eingesetzt, allerdings mit anderen Betonungen und in anderen Geschwindigkeiten. Das Tanzen von Schritten des Wiener Walzers im Tango Vals ist bei den meisten Tangotänzern verpönt.

© Wikipedia.de

 

TANGOTANZEN IN BUENOS AIRES

5 Mitglieder des TAC machen sich auf den Weg, um die Tangoszene in BAires "aufzumischen"

 

Mai 2006, Flughäfen Wien – Schwechat/Madrid, Klagenfurt/Frankfurt und Triest/Rom, so  unterschiedlich machen wir uns auf den Weg, um einen  Traum Realität, werden zu lassen - Tangotanzen in Buenos Aires.

 

 

Wir haben schon einiges über die Hauptstadt von Argentinien gehört und mit jedem Kilometer steigt die Spannung. Nach 15 Stunden Flug und gemeinsamen Treffen im „La Pausa“ Flughafenrestaurant, zeigt die einstündige Fahrt vom Flughafen zum Quartier doch etwas  anderes, als uns die Bilder aus dem Fernsehen, Büchern, Filmen und Berichten real begegnen.

 

Buenos Aires eine Stadt  der Superlative, von beeindruckenden Größe und mit brutalen Kontrasten. Ein morbider Charme prägt das Straßenbild und lässt den Zauber vergangener Zeiten nur noch erahnen.

 

 

Die Resultate einer 50 jährigen Misswirtschaft sind deutlich zu spüren. Schon nach kurzem Aufenthalt in diesem brodelnden Hexenkessel wird einem dies sehr bewusst. Und trotz der schwierigen Lebensbedingungen und der Vergänglichkeit herrscht zu jeder Tages- und Nachtzeit ein unermüdliches Treiben auf den Straßen. 24 Stunden Non-Stop pulsiert es. Buenos Aires ist wie ein überdimensionales, riesengroßes, pochendes Herz, welches der Armut zum Trotz vor Leben strotzt.  Man fragt sich unwillkürlich, ob sich dieser Hintergrund wohl auf die gesellschaftlichen Ansprüche des Tangos in Buenos Aires auswirkt, ob sich dadurch vielleicht auch unterschiedliche Vergleiche zu Österreich und Europa ergeben? Während des Aufenthaltes in dieser Stadt wurden wir mit diesem Thema immer wieder konfrontiert.

 

Wir lieben die Tangomusik und haben uns schon oft gefragt, warum uns diese wunderbare Musik immer wieder anders berührt. Diese Musik gemeinsam im Tanz zu fühlen und sich mit ihr treiben zu lassen, das ist einzigartig.

          

Dieses Gefühl wächst aber erst und anfänglich ist es schwer möglich, sich diesem hinzugeben, da man mit ganz anderen, profaneren Dingen beschäftigt ist. Aber wie heißt es doch so treffend: „Man wächst mit der Zeit“.  

  

                                   Das „ Lunallena“

                                                                                                                                                                

Nach Bezug unseres Quartiers, dem petit hotel tanguero „lunallena“ –im Tangoviertel „Palermo Viejo“ Arevalo 2135 war erst einmal ein zünftiges Frühstück fällig. Frühstücke in Flugzeugen zeichnen sich ja nicht gerade durch einen starken Sättigungsgrad aus, genauso genommen füllt es eigentlich nur den Magen und das war´s dann auch.  Ulli, unser Tanzlehrer, der diese Reise organisiert hatte, machte uns gleich mit den nächstliegenden Geschäften bekannt. ( Lebensmittel, Obst und Gemüse und eine Bäckerei, bei der einfach alles frisch zu bekommen war, egal ob Brot, Gebäck, Konditoreiwaren, Pizzen o. ä. – es war wie im Schlaraffenland )    

 

Nachdem wir uns dann alle häuslich eingerichtet hatten und die „Augenpflege“ beendet war, ging es ab in die Stadt zum Abendessen und zur Milonga, auf die wir natürlich alle schon sehr gespannt waren. Wie ist es dort, mit wem werde ich tanzen, werde ich überhaupt tanzen, klappt das Auffordern, bekomme ich einen Korb, Fragen über Fragen.

 

Aber erst einmal geht es ins „Pipo“, einem guten Speiselokal  in der Callao, wo wir uns mit einem original argentinischen Steak ( heißt dort „Lomo“ ) für die kommende Milonga stärken. Ein guter Wein rundet das Essen ab und satt und zufrieden machen wir uns auf den Weg zum „El Beso“.

 

Mittlerweile ist es 22:30 und die Einheimischen beginnen sich zu regen, es kommt ihre Zeit. Das „El Beso“,  Riobamba/Ecke Avenida Corrientes ist nicht weit entfernt und klein, aber oho. Ein orangegrünes Flair im Stil einer Disco aus den 70er Jahren und der kleine Raum ist eng gespickt mit Tischen. Wer nichtreserviert hat ( Ulli sei Dank ) muß stehen, außer er hat Glück. Nachdem wir alle gemeinsam an einem Tisch sitzen, fordern wir uns gegenseitig auf und haben daher den Nervenkitzel, jemanden Wildfremden aufzufordern, noch nicht.

 

Die Musik ist angenehm  und es lässt sich gut dazu tanzen, die Mischung ist optimal und als Cortina gibt es jedes Mal – man höre und staune – Blues und Boogie Woogie vom Feinsten. Nachdem wir aber  alle noch ziemlich gerädert von der Anreise sind und unser Sekt mehrmals durch andere Leute verschüttet worden ist, machen wir uns gegen 1:30 Uhr mit dem Taxi auf den Heimweg.

 

Apropos Taxi: Es gibt angeblich 30.000 davon in Buenos Aires. Die ganze Stadt wimmelt von diesen schwarz – gelben „Ameisen“  und man bekommt, von etwas exponierteren Gegenden abgesehen, eigentlich immer rasch eines. Wir wurden darauf hingewiesen, sog. „Radio Taxis“ zu nehmen, aber auch die anderen sind um nichts schlechter oder unsicherer und der Preis ist überall gleich fair. Eine Fahrt quer durch die riesige Stadt kostet in etwa 13 Pesos, das sind nicht ganz 2 Euro. Eine Okkasion. Und die Fahrzeuge sind gut in Schuß. Natürlich kann gelegentlich ein Außenspiegel mit Klebeband befestigt sein, eine Türe klemmen, so dass man auf der anderen Seite einsteigen muss, eine Scheibe durch eine Plastikplane ersetzt sein, aber da steht man einfach über den Dingen, die Fahrer tun es ja schließlich auch.

 

                          Gemeinsames Frühstück  

                           

Frühstück ist gegen 10 Uhr, wir wechseln uns beim Einkaufen der benötigten Dinge ab und staunen immer wieder, dass wir mehr oder weniger ziemlich einsam  auf der Straße sind und nur wenige Argentinier. Denkt man allerdings daran, dass die Milongas bis in die Früh dauern, dann versteht man das schon eher. Naja, eine andere Welt. Andere Länder, andere Sitten.

Ein opulentes Frühstück mit allem Drum und Dran war uns aber stets wichtig. Schließlich kosteten die Nächte viel Substanz und auch tagsüber waren wir immer  irgendwo unterwegs, Tangoschuhe suchen ( und kaufen ), Tango-kleider, Tangoanzüge und und und, es gab immer etwas zum Schauen und erwerben und die Geldautomaten waren auch sehr freigiebig. In den Einkaufsstraßen „Suipacha“ und „Florida“ kann man sich ja relativ sicher dahinbewegen, aber wenn man dann z. B. auf  die Avenida Corriente kommt, dann läuft man als Fußgänger eigentlich permanent um sein Leben, da der Fußgänger in Buenos Aires anscheinend das letzte vom letzten ist. Es gibt wohl Fußgängerampeln, aber die sind eher selten und ansonsten muss man sehen, wo man bleibt. So wäre aus unserer Gruppe fast jemand von einem Bus plattgewalzt worden. Wir waren damals alle etwas bleich, weil es wirklich sehr knapp gewesen war.

                                         Diego Alvaro    

                                      

Zwischendurch besuchten wir Prácticas in der „Confiteria La Ideal“, da dieses Lokal sich ebenfalls in der Suipacha  u. zw. Nr. 384 befindet. Wer an unsere Prácticas denkt, wird schnell eines besseren belehrt, denn diese Prácticas gleichen eher einem Miniworkshop und für ein paar Pesos kann man hier eine ganze Menge lernen. Unser Liebling  war „Diego“, ein Lehrer der so absolut unaufgeregt unterrichtete und trotzdem die Gabe hatte, jemanden in gutem Englisch alles so zu erklären, dass es auch verständlich war. Er wurde nicht müde, immer wieder zu erklären, bis er sicher war, dass es klappte.

 

                                    Renovierungsbedürftig     

                                                   

Ansonsten hat die „Confiteria La Ideal“ ihren seinerzeitigen Glanz schon ziemlich eingebüßt. Wie schon eingangs festgestellt, die Resultate einer 50 jährigen Misswirtschaft sind immer wieder sichtbar und es fehlt eben am Geld.

Aber wer weiß,  vielleicht findet sich einmal ein „tangobesessener“ reicher Sponsor und verhilft diesem alten Jugendstilgebäude wieder zu seiner seinerzeitigen Reputation ? Zur Zeit muss man halt in Kauf nehmen, dass gelegentlich der Putz von den Wänden bröselt und manche Stühle zerschlissen

und kleinere Löcher in der Wand zu finden sind. Andererseits ist diese Milongastätte immer gut besucht und hier  hatten wir auch unsere ersten Tangotanzerfahrungen mit den Einheimischen.

 

Wie soll man nun auffordern ? Die Milongaetikette besagt, lediglich durch Blickkontakt ( Zwinkern ), alles andere ist unhöflich. Das Problem dabei ist aber, wie soll man bei schummrigen Licht, wie es in Milongatempeln üblich ist, Blickkontakt aufnehmen ? Also: Erst jemanden suchen, dann sich erheben und sich der Auserwählten nähern. Blickkontakt suchen und dabei möglichst nicht über Dinge stolpern, die im Wege stehen. ( Tische, Sessel, Leute o. ä. ) Hat man es soweit geschafft, dass die Frau der Milongaträume aufmerksam wird, dann sich ihr zielstrebig weiter nähern und mit leichtem, fragenden Nicken des Hauptes seine Absicht kundtun. Schaut sie aber weg, dreht ihren Kopf zur Seite, oder unterhält sich angeregt mit jemandem anderen, dann ist dies ein Korb, mit dem man eben leben muß. Sollte die Milongaqueen aber mit der Aufforderung einverstanden sein, dann steht sie meistens schon auf und kommt dem Mann entgegen, obwohl dies auch nicht unbedingt der Etikette entspricht. Wenn man Pech hat, schießt plötzlich jemand, der den kürzeren Weg hat, auf die Dame zu und schnappt sie einem weg. Auch damit ist zu rechnen. Der Mann müsste eigentlich bis zu ihrem Tisch gehen und sie zur Tanzfläche führen. Auf keinen Fall nähert man sich der Dame von hinten und signalisiert durch leichtes Schultertippen seine Absicht. Das ist absolut verboten. Allerdings konnte auch dies festgestellt werden, da sich doch viele Leute untereinander kennen und die Bräuche da logischerweise etwas lockerer sind. Ist ja bei uns auch so, oder etwa nicht ? Tunlichst zu  vermeiden ist ein „starrer Blick“ beim Auffordern.

 

Man sieht, das Auffordern ist eigentlich Schwerarbeit für den Mann und so ein Tanzgenuß muß hart erarbeitet werden. Um von unliebsamen Tanzüberraschungen verschont zu werden, empfiehlt es sich, während einer Tanda  die Tanzkünste der vorbeischwebenden Chicas bzw. Damen zu beobachten und danach seine Wahl zu treffen. Man ist zwar selbst  nicht perfekt, aber ein wenig Erleichterung sollte schon sein, wenn man beim Auffordern soviel Energie investiert. Jetzt geht alles relativ einfach. Die Partnerin stellt sich vor den Herrn, gibt den linken Arm um seinen Nacken, schließt die Augen und wartet was passiert. Jetzt liegt es am Herrn, tätig zu werden und seine Partnerin entsprechend in Bewegung zu versetzen. Man probiert erst einmal und,  oh Wunder, es klappt, genauso wie zu Hause. Man wird verwegener und forscher ( beim Tanzen natürlich ) und es klappt immer noch. Dann kommt plötzlich ein Einbruch bei einer Drehung, wo auf einmal alles blockiert. Peinlich, aber irgendwie wurstelt man sich wieder heraus. Der zweite Tanz geht schon besser und beim 3. fängt man langsam an, die Bewegung und die Musik  zu genießen. [ 1) Try it – 2) Do it – 3) Enjoy it.  That´s it. ]

 

Konversation ist beim Tanzen weniger gefragt und wenn man schon etwas zu sagen hat, dann am besten  in Spanisch, denn Englisch ist nicht so beliebt  in Argentinien, wahrscheinlich hängt das damit zusammen, dass die USA dieses Land jahrzehntelang zuihren Gunsten hemmungslos ausgebeutet haben und insgesamt keinen allzu positiven Eindruck hinterlassen haben.  Die CIA hat sich ja da besonders „hervorgetan“, wie auch die unlängst geöffnete Akten beweisen ! Aber das ist Politik und deswegen sind wir nicht hier.

 

                                 Milonga in der Confiteria 

                                   

Eines ist aber zu bemerken: Die älteren Damen tanzen mit einer unver-gleichlichen Achse und Ruhe, die sich auch auf den Partner überträgt und den Tanz zu einem Erlebnis macht. Unsere Damen machten die Erfahrung, dass die Hände der Argentinier eigentlich dort blieben, wo sie bleiben sollten. Gelegentlich wurde wohl geklagt über eine völlig unsensible Klemmgriff-umarmung, bei der man quasi in den Boden gerammt wurde und das Hinein-bohren der Finger des Partners in den Rücken zur Unterstützung der Ochos. Naja, wenn es  der Oberkörper nicht schafft, dann muß eben etwas  anderes herhalten ! Auch die Argentinier sind nicht immer das Gelbe vom Ei beim Tangotanze !

 

 

Etwas zur Sitzordnung auf den Milongas: Diese erinnert an Tanzschulen längst vergangener Zeiten. An den hinteren Tischen sitzen Paare und Gruppen, die meist untereinander tanzen ( so wie wir ), dann gibt es Tische in bester Lage, die anscheinend für „VIP´s“ reserviert sind ( meist ältere Milongueros, die überschwänglich begrüßt werden und dann vorwiegend mit den jungen Chicas tanzen ) und an den vorderen Tischen schließlich findet man die Singles u. zw. an einer Seite die Männer und auf der anderen Seite die Frauen. ( Wie die Hühner )  

Man kann sich also gut vorstellen, wie das mit dem Blickkontakt funktioniert, wenn man in den hinteren Reihen sitzt !

                                  Niño Bien m. Baugerüst 

                                                          

Zu den Milongalokalen: Es ist wirklich erstaunlich, wo überall Milongas stattfinden. Räume, die mit einem Baugerüst „dekoriert“ sind ( El Niño Bien Humberto 1° 1462, Ecke San José ), oder mit  aufgehängter Wäsche unterteilt ( Flor De Lino Balcarse 725 ), Räume mit Feuchtigkeitsflecken ( La Nacional, Adolfo Alsina 1465, Ecke San José ) und desolater Bestuhlung, ( Salon Canning/El Paracultural  Scalabrini Ortiz1331, Ecke José A. Cabrera ) ist zwar

in Ordnung, aber nicht auf der rechten Saalseite sitzen, dort zieht es gewaltig durch die Deckenentlüftung.   Die Argentinier stört dies anscheinend nicht, denn   die Stimmung ist überall gut und die Leute fröhlich. Man sieht, dass Tango tanzen hier doch einen wesentlich anderen gesellschaftlichen Stellenwert genießt, als bei uns.  Es muß nicht immer eine Supermilonga mit allem Drum und Dran  sein ( z. B.  Show und Dinner ), aber natürlich gibt es diese  Veranstaltungen auch.  

 

Wir besuchten sie auch ( „Torquato Tasso“ San Telmo, Defensa 75, Ecke Brasil ) und es ist natürlich schon ein Erlebnis, so etwas zu sehen. Das war auch das einzige Lokal, wo wir unser Essen wegen der parallel stattfindenden Show in totaler Dunkel-Dunkelheit einnehmen mussten, bis jemand auf die Idee kam, den Ober zu bitten, wenigstens für etwas Beleuchtung zu sorgen, bevor wir uns völlig bekleckerten.  Naja, nichts hindert einen daran, an jedem Tag seines Lebens klüger zu werden.

 

Ein Erlebnis, dass man sich nicht entgehen lassen sollte, ist eine Wochenendmilonga im „Sunderland Club“ Lugones 3161 Ecke Quesada. Unter der Woche wird hier Fußball trainiert und wie es sich für eine richtige Turnhalle gehört, hängen an den Wänden jede Menge Reklametafeln von Baufirmen, Wurstfabrikanten etc. Doch am Samstag, gegen Mitternacht sitzen im hellen Neonlicht der alten Halle elegant gekleidete Damen und Herren im dunklen Anzug unter den Basketballkörben.

 

Dies wussten wir alles nicht, als wir mit Ulli gegen 22:30 Uhr in einem Taxi abfuhren. Ulli hatte in weiser Voraussicht einen Spitzentisch organisiert und nachdem wir Speisen und Getränke bestellt hatten, konnten wir uns die Lokalität genauer ansehen.

Und was wir sahen, fiel durchaus zu unserer Zufriedenheit aus. Elegantes Publikum und  gedämpfte Lautstärke, kurzum eine angenehme Atmosphäre.  Unser DJ Orlando, den wir ja schon aus der Confiteria kannten und der uns herzlich begrüßte, machte die  Musik und Orlando hat ein Gespür dafür, was die Leute hören wollen und deshalb flaute die Stimmung auch nie ab und das Tanzen machte Spaß. Und wenn er als Cortina dann „La Cumparsita“ einspielte, dann freuten sich die Tänzer schon auf die nächste Tanda. La Cumparsita ist Olandos Markenzeichen, er spielt nur dieses Stück als Cortina.

Das Essen war übrigens hervorragend, der Wein ebenfalls ( wie schön, mit dem Taxi unterwegs zu sein ), es wurde viel getanzt und gelacht und der Abend genossen. Weit nach Mitternacht machten wir uns auf die Suche nach einem Taxi.  Das war bald gefunden und voller Schwung nannten wir dem Fahrer unsere Adresse : „Arevalo Soler por favor“. Keine nennenswerte Reaktion. Man zeigt den Zettel, wo die Adresse aufgeschrieben ist ( wir denken ja an alles ) und nach längerer Betrachtung dieses Stückes Papier  geht es los. Wir bemerken, dass der Fahrer immer wieder die Zentrale anruft und sich nach dieser Straße erkundigt. Schließlich fällt auf, dass bei der Avenida Corrientes ( wir kennen uns ja mittlerweile schon einigermaßen aus ) nicht richtig abgebogen wird. Wir fahren weiter und der Fahrer bleibt neben einer Polizeistreife stehen und erkundigt sich. Ratlosigkeit auch bei den Insassen dieses Autos. Wir warten gespannt, wie es weitergeht. Der Taxamater zählt unbarmherzig nach oben und plötzlich sind wir bei unserer U-Bahnstation. Nachdem der Fahrer noch immer nicht genau weiß, wie es weitergeht,  steigen wir nach einer Bezahlung von 16 Pesos ( ca. 4 Euro ) aus und gehen zu Fuß nach Hause weiter, wo wir nach  ca. 5 Minuten eintreffen. Das war die längste und teuerste Taxifahrt, die wir in Buenos Aires hatten. Ansonsten gab es  aber nie Probleme mit den Taxifahrern. Also was soll´s, wir hatten eine Stadtrundfahrt bei Nacht und für mehr als eine halbe Stunde Fahrt, zahlten wir eigentlich wenig. Man muß es einfach so sehen.

 

Wie lernt man eine Stadt am besten kennen ? Richtig, in dem man zu Fuß geht. Das war eigentlich täglich der Fall und auf diese Art sahen wir eine ganze Menge. Erfreuliches und weniger Erfreuliches, schöne und weniger schöne Gebäude, gut situierte und weniger gut situierte Leute, jede Menge alter Autos, die bei uns unweigerlich verschrottet würden, aber hier seltsamerweise immer noch funktionieren und sich bewegen. Pickerl oder so etwas gibt es in diesem Land natürlich nicht , dafür sind Improvisation und Einfallsreichtum gefragt.

 

Obwohl schon tagsüber reges Treiben in den Straßen herrscht, in der Nacht erwacht Buenos Aires richtig. Abendessen ab 22:30 Uhr, arm ist der Europäer, der andere Essengewohnheiten hat. Irgendwie schafft man es aber trotzdem, auch tagsüber satt zu werden, sei es mit Empanadas, oder italienischen Gerichten in der Florida oder Avenida Cordoba. Natürlich kann man gelegentlich auch etwas bekommen, was man nicht bestellt hat, oder eine andere Vorstellung davon hat, aber mit so Rückschlägen muß man einfach rechnen. Und genießbar ist eigentlich alles. Die langwierige Bestellung von gegrilltem Gemüse ( unter Zuhilfenahme des Wörterbuches ) endete schließlich damit, dass ein schlichter grüner Salat serviert wurde. Papas spezial mit einer ? Soße ? wurden hinterfragt und als Spezialität angepriesen. Ernüchterndes Ergebnis: Pommes Frites. Naja, immer kann’s nicht klappen. Am besten fährt man bei der Bestellung von Lomos, den argentinischen Steaks. Diese sind wirklich hervorragend, das Fleisch zergeht auf der Zuge und der Geschmack ist traumhaft. Allerdings empfiehlt es sich, für zwei Leute eine Portion zu bestellen, da man allein mit diesem Riesentrumm nicht fertig wird.        

 

La Boca, San Telmo, Recoleta, jedes  Stadtviertel hat seinen eigenen Charakter.  

La Boca, der südlichste Stadtteil zeigt sich im ureigenen, argentinischen Disneyworld und ist gleichzeitig Heimat von Diego Maradonas Fußballteam „Boca Juniors“. Das alte Hafenviertel war früher Landeplatz der Emigranten und jede Tangoshow hier weist eine Szene auf, die hier spielt. Der „Caminito“, der „kleine Weg“ ist von bunt bemalten Blechhäusern gesäumt, die die Einwanderer angeblich aus Schiffsblech gebaut haben.

 

Einen Sonntagnachmittag muss jeder Buenos – Aires Tourist in San Telmo, auf der Piazza Dorrego verbracht haben. Dann nämlich drängen sich auf dem Kopfsteinpflaster des alten Tango – Viertels die Touristen und Einheimischen zwischen Ständen von Antiquitäten und Trödel. In Cafes am Straßenrand kann der Besucher das Treiben beobachten.

Im Stadtviertel Recoleta wohnen die Reichen und es ist eines der elegantesten und teuersten Wohn- und Geschäftsviertel der Hauptstadt und das traditionelle Quartier des Bildungsbürgertums. Benannt ist es nach den Barfüßermönchen des Franziskanerordens, den recoletos.

 

Nicht zu vergessen natürlich der Straßentango, der allgegenwärtig ist. Egal wo man gerade ist, irgendwo zeigt immer wieder ein Pärchen seine Künste und es ist immer wieder ein Genuss, diesen Darbietungen zuzusehen.  Auch in manchen Lokalen bekommt man  neben einem Glas Wein auch noch eine Tangoshow serviert. – Prost. Sogar im Schuhgeschäft wird nebenher Tangounterricht erteilt. Wow.

 

Auf dem Markt von Mataderos, der von April bis Dezember jeden Sonntag stattfindet, vertrödeln Argentinier in trauter Eintracht mit den Touristen ganze Sonntage. Zwischen den Ständen entlang der Kopfsteinpflasterstraße ( deren gibt es genug in Buenos Aires ) schwebt der Rauch von den Holzkohlengrills der Restaurants. Neben den obligaten Steaks gibt es auch einheimische „Schmankerln“ wie „chicholin“ ( gerollter und gebratener Darm ) und „marcilla“ ( Blutwurst ). Naja, wem´s schmeckt. Auf dem zentralen Platz gibt es Folklore und Gauchos reiten vorbei.

 

Regelmäßig hatten wir auch noch Workshops, für die  Ulli die Lehrer aussuchte, oder auch manchmal selber tätig wurde. Die Lehrer waren durchwegs sehr gut, einmal waren wir in der Universität ( dort lernten wir unsere „Unifiguren“ [ sind wir jetzt „universitäre Tangotänzer“ ? ]), die restliche Zeit schufteten wir zu Hause. Trotzdem auch Figuren gezeigt und erläutert wurden, das meiste war doch immer wieder die  Basisarbeit. Überhaupt ist uns in Buenos Aires aufgefallen, daß wenig an spektakulären Figuren getanzt wird, das meiste ist gehen und drehen, Ochos natürlich auch. Aber anscheinend sind die Europäer eher auf Figuren epicht als die Argentinier. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Argentinier einen anderen Zugang zu diesem Tanz haben ( auch gefühlsmäßig ) und dass wir Europäer gewohnt sind, uns im strikten Rhythmus ( links – zwo – drei – vier , quick – quick – slow ) zu bewegen. Wer weiß es ?

 

            

 

       Im Lunallena        An der Uni       Diego y Zoraida                                                                                                                                

   

Obwohl das Verhältnis Tänzerinnen/Tänzer in Argentinien verkehrt proportional gegenüber Österreich ist, soll heißen, es gibt einen Männerüberhang, kommen doch viele Touristinnen solo und suchen sich dann an Ort und Stelle einen sogenannten „Taxitänzer“, der ihre [ natürlich tänzerischen ] Wünsche erfüllen soll. Also jemanden, der sich gegen Bezahlung als Tanzpartner zur Verfügung stellt. Nichts Anrüchiges, einfach gang und gäbe in Argentinien. Übrigens gibt es diese Einrichtung  auch bei uns.

 

Solch einen „Taxitänzer“ namens „Mike“ hatte Ulli für unsere Isabella organisiert, das klappte eigentlich im großen und ganzen ziemlich reibungslos. Mike ist Student ( Tango und Musik ), stammt aus Kuba und hat eine angenehme, einfühlsame Art und tanzt – no na - sehr gut Tango. So behaupteten es seine Tanzpartnerinnen. Auch bewegt es sich sehr sicher in der Gesellschaft und – was auch schön ist – er spricht ein tadelloses Englisch, was die Kommunikation erheblich erleichtert.

 

Resümee:  Tangotanzen in Buenos Aires ist einfach ein Erlebnis. Dadurch, dass man eigentlich die meiste Zeit mit dem Phänomen Tango konfrontiert ist sei es durch Musik, Tanz, Shows, Milongas etc. wird man einfach ganz anders inspiriert als zu Hause, wenn man zu seinem „Tangofixtermin“ geht. Sicher, wir waren 3 Wochen auf Urlaub, da hat natürlich alles eine andere Wertigkeit, aber Tatsache ist schon, dass es jedem einzelnen von uns tänzerisch schon etwas gebracht hat ( mehr oder weniger – Nichtzutreffendes bitte streichen ). Was uns aufgefallen ist und was Ulli uns ja auch schon gesagt hat, die Schwerpunkt des Tangotanzens in Argentinien liegt eher im Gehen und Drehen, spektakuläre Figuren sieht man weniger, außer natürlich beim Showtanzen und das gibt es ja dort häufig, da die jungen Paare auf diese Art versuchen, irgendwie bekannt zu werden. Wir hatten eine Práctica mit solch einem jungen Pärchen, das sich redlich Mühe gab, uns einige Figuren beizubringen, aber so beweglich wie die jungen Leute, die von Kindesbeinen an Tango tanzen, sind wir natürlich nicht. Dementsprechend mühsam war das Erlernen und das Ergebnis war dürftig, was einfach am Vorgenannten lag. Ulli, den wir dann baten, mit uns diese Figuren genauer zu üben sagte in seiner gewohnt trockenen Art: „OK Leute ich mach es gerne, aber wollt Ihr Euch das wirklich antun“ ?

 

Was viel geübt wurde, war – erraten – Basisarbeit. Und die ist eben unerlässlich beim Tangotanzen. Wir merkten es ja schließlich selbst, dass wir in vielem jetzt viel sicherer sind als vorher und dadurch macht auch alles mehr Spaß. Auch versuchten wir, mehr in die Musik hineinzuhören und uns danach zu bewegen und das kommt eben erst nach einer geraumen Zeit, wenn man nicht mehr sklavisch an irgendwelchen eingelernten Schrittmustern hängt.

 

Buenos Aires ist eine faszinierende Stadt, unheimlich weitläufig, verfallene Luxushäuser neben nüchternen Neubauten, Löcher im Gehsteig ( nie nach oben sehen ), offene Kanalschächte ( abgesichert durch einen herausragenden Besenstiel, auf dem verkehrt ein Kübel trohnt ), viel Schmutz ( leider ) und viel arme Leute ( schlimm ), die sich durch Betteln und Gerümpelsammeln über Wasser halten. Daneben trifft man smarte junge Geschäftsleute in Luxuslimousinen, die in Geschäftshäusern mit Marmorfassade residieren und  jeden Donnerstag gibt es eine Demonstration der Mütter, deren Söhne während der Militärdiktatur verschwunden sind. Eine Stadt, total voller Kontraste.

  

Buenos Aires lebt eigentlich von seiner Vergangenheit ( 30er und 40er Jahre), was auch in vielen Lokalen durch Plakate und Fotocollagen sichtbar ist. In dieser Zeit war der Tango eine Massenbewegung, aber Mitte der 50er Jahre verschwand er von der Bildfläche. Einerseits, weil nach dem zweiten Weltkrieg das Geld für´s Ausgeben fehlte und andererseits, weil der Rock`n Roll den jungen Argentiniern viel lebendiger erschien.

 

Was nicht verwundert, wurde der Tango doch von seinen Anhängern mit einer Art Aura der Unveränderlichkeit umgeben. Erst der große Astor Piazolla versuchte 1948, die Tango Musikszene wieder etwas aufzumischen. Dazu kommt noch, dass zwischen 1973  und 1984 in der Zeit der Repression der Tangotanz von den damaligen Machthabern nicht wohl gelitten war. Man  merkt auch, dass die Generation der Mittdreißiger bis Mittfünfziger auf den Milongas eher spärlich vertreten ist,  was wahrscheinlich auch damit zusammenhängt.

 

Etwas, was man unbedingt sehen sollte, ist das berühmte „Teatro Colon“. Ulli organisierte uns eine Führung, schließlich hatte er ja auch einmal in diesen „Heiligen Hallen“ getanzt, übrigens als einziger Ausländer, der das je durfte. Natürlich kennt er aus dieser Zeit auch noch viele Kolleginnen und Kollegen und wir staunten immer wieder, wie gut bekannt und angesehen Ulli eigentlich in der Tangoszene von Buenos Aires ist. Dieses Theater ist schon ein schöner Bau aus der vorvergangenen Jahrhundertwende und wir gönnten uns noch, kurz vor dem Heimflug am vorletzten Tag, eine Aufführung der Mozartoper „Cosi fan tutte“ und das war wirklich sehr beeindruckend. Gute Inszenierung, hervorragende Stimmen und ein ansprechendes Bühnenbild, toll. Im Anschluss daran gingen wir noch gepflegt  um 0:30 Uhr zum Abendessen – mittlerweile hatten wir uns ja an die argentinischen  Gebräuche gewöhnt  - und auch das war vom feinsten. Bei einer gepflegten Flasche Wein klang dieser rundum gelungene  Abend dann aus.

 

Eine Theateraufführung der etwas anderen Art ermöglichte uns Ulli an einem Samstagabend. Wir gehen auf eine Milonga und die beginnt bereits um 17:30 Uhr. Etwas ungewöhnlich, aber nicht so, dass man sich den Kopf darüber zerbricht. Abgesehen davon waren wir ohnehin permanent neugierig und waren gespannt, was sich auf dieser Milonga so tun würde.

 

Wir nahmen, wie gewohnt unsere Subte Linea „D“ ( grüne Linie ), stiegen wieder an der Station Plaza de 9 de Julio  aus und nach einem kurzen Fußmarsch standen wir vor einem repräsentativen Gebäude, das früher einmal ein Palais gewesen sein muss. Nach Bezahlung des Eintritts mussten wir im ersten Stock Platz nehmen und dann harrten wir der Dinge. Es gab kleine Häppchen zur Überbrückung der Wartezeit und dann ging es los. Keine Milonga, sondern ein Theaterstück. Da schauten wir aber alle. Es ging um die Geschichte des Argentinischen Tangos mit allen seinen Höhen und Tiefen. Gespielt wurde in spanischer Sprache,  mit englischer Übersetzung. Das funktionierte dermaßen, dass der kommende Akt immer kurz geschildert wurde, so dass man informiert war, und der Handlung ohne größere Probleme folgen konnte.

 

Bei jeder neuen Szene wechselten wir einfach in einen anderen Raum. Verblüffend einfach, aber es funktionierte. Die Schauspieler waren ambitioniert und es war ein Genuss, der Handlung zu folgen.

 

Anschließend begann dann die Milonga ( Milonga de las morochas ) und wir lernten wieder einiges dazu, weil sich die Schauspieler bemüßigt fühlten, mit jedem einzelnen von uns zu tanzen und ein wenig zu unterrichten. Es war ein sehr netter und lehrreicher Abend mit Speis und Trank und mit Wissen voll gestopft zogen wir schließlich wieder nach Hause.

 

Übrigens spielte unser „Diego“ aus der Confiteria La Ideal die Hauptrolle in diesem Stück und er ist wirklich ein sehr guter Schauspieler, ich hatte ihn zuerst mit der schwarzen Wuschelperücke gar nicht erkannt, da er ja eigentlich eher keine Haare am Kopf hat.

 

Ein Ausflug zum Tigre, dem Delta des La Plataflusses hatte Ulli ebenfalls organisiert und es wurde ein wunderschöner Tag. Das Wetter war herrlich, strahlender Sonnenschein, wenig Wind ( eher selten ) und so fuhren wir vormittags mit der Eisenbahn los und nach ca. 1 Stunde hatten wir unser Ziel erreicht. Wir stiegen auf ein Schiff um und schaukelten  fast 3 Stunden lang auf dem Delta hin und her. Hochinteressant, was wir alles sahen: Die „Strandvillen“ der „betuchten“ Leute, Schiffswracks, die vor sich hinrosteten, eine schwimmende  Arztpraxis u. v. m. 

 

 

Sehr gut und übersichtlich ist der Öffentliche Verkehr. Ein übersichtliches Netz von U – Bahn Linien ( Subte ) ist vorhanden, die Preise erschwinglich ( 10 Fahrten kosten 7 Pesos, das sind ca.2,70 Euro ) und eine Fahrt mit der Linie A, der ältesten U – Bahn   von Buenos Aires von der Fa. AEG – Bj. 1913  ist unbedingt zu empfehlen, da rumpelt und ruckelt es so schön.  

                                         El Colectivo  

                                   


Ein dichtes Netz von Bussen ( El Colectivo ) fährt ebenfalls jeden Winkel in der Stadt an. Eine Busfahrt ist eines der letzten Abenteuer in dieser Stadt. Zuerst gilt es, eine entsprechende Einstiegsstelle zu finden, allerdings muss man damit rechnen an einer völlig unbekannten Ecke der Stadt zu landen, da es bereits ein so dichtes Liniennetz gibt, dass die Routen auf keiner Karte mehr verzeichnet sind. In den Stadtplänen gibt lediglich eine grobe Beschreibung und durch das Einbahnsystem kommt erschwerend dazu, dass die Busse bei Hin- und Rückfahrt nicht die gleiche  Strecke benutzen. Ach ja, nicht vergessen, dem Busfahrer ein Handzeichen zu geben, sonst fährt er einfach weiter ! Wir haben uns auf dieses Abenteuer nicht eingelassen, da wir die meiste Zeit die Subte benutzten und nächtens das Taxi. Grundsätzlich ist immer genaues Geld bereitzuhalten, da die Fahrer kein Wechselgeld herausgeben, da die Angst vor Falschgeld sehr groß ist. Willi wurde am letzten Tag von einem Taxifahrer mit falschem Wechselgeld „versorgt“, wahrscheinlich war der Fahrer froh, dieses los zu werden. Und im Schein der Innenbeleuchtung kann man ja wirklich nichts feststellen. Aber, was soll´s. Wenn einer eine Reise tut …

 

  Trotzdem, wir werden gerne  wiederkommen,

es wird sich sicher einmal eine Gelegenheit dazu ergeben !

  

 

Villach, im Oktober 2006

©  Text  -   Helmuth Ladstätter                                      ©  Fotos -  Helmuth Ladstätter und Willi Schicho

      

DIE LANGE NACHT ZU EHREN DES MARMORSAALES

( Villacher tanzen in Salzburg )

 

                               

 

Tango Argentino Carintia bot an, vom 3. – 4. Mai eine schöne Nacht im Marmorsaal des Hauptbahnhofes in Salzburg zu verbringen und so machten sich 9 Tänzer aus Kärnten auf den Weg , tangotanzend diese Nacht zu feiern.

Reisten  die einen mit der Massenverkehrsmittel Eisenbahn an, so bevorzugten die anderen die individuelle Anfahrt mit dem eigenen Auto, aber letztendlich traf man sich im Marmorsaal zur großen Fete.

Von den Salzburger Tangofreunden wurden wir sehr herzlich empfangen und Moni, die Organisatorin hatte einen Spitzenplatz für uns alle reserviert und kümmerte sich auch sonst darum, damit wir uns wohlfühlten. 

 

Natürlich waren wir alle gespannt auf das Kommende, das  - laut Ankündigungen – einiges versprach und wir wurden wirklich nicht enttäuscht. In bunter Reihenfolge wechselten einander die Darbietungen ab:

Livemusik, Gesangs- , Tanz- und Showeinlagen, Lesungen u. v. m. ließen die Zeit rasch vergehen und diesen Abend zu einem schönen Erlebnis werden. Zwischen den einzelnen Darbietungen spielte DJ Michele Tango und Tanzmusik vom Feinsten, sodaß nie Langeweile entstand und wir auch beim Tanzen voll auf unsere Kosten kamen.

Müde, aber zufrieden und voll von interessanten Eindrücken traten wir wieder die Heimreise an, im Gepäck das Versprechen, die Salzburger Tangofreunde auch einmal in Kärnten zu begrüßen.

 

Villach, 13. Mai 2008

 

© Text u. Fotos Helmuth Ladstätter

 

 

TANGOBALL   IN   SALZBURG

( Kärnten besucht wieder Salzburg )

 

 

                                       

 

 

Eine Ballnacht vom 9. auf den 10. August  im Marmorsaal des Hauptbahnhofes in  Salzburg – ein Erlebnis der besonderen Art -  das wurde vom Club Tango Argentino Carintia angeboten.

 

Wurden „die Kärntner“ schon im Mai sehr herzlich aufgenommen, so wurde uns auch diesmal wieder das Gefühl vermittelt, willkommen zu sein und dazuzugehören, zumal man ja nicht mehr absolut fremd war.

 

Moni hatte als perfekte Organisatorin  wieder alles  im Griff und so kam auch nie Langeweile auf. Tanzeinlagen ( klassischer Tango, Canyengue, Milonga, Milonga Orillera ), Lifemusik und Musik aus der Konserve wechselten sich in bunter Reihenfolge ab. Zum Abschluß gab es noch eine gekonnte Flamencovorführung, die mit viel Beifall belohnt wurde.

 

Es war eine großartige Veranstaltung, es wurde getanzt, getrunken und gescherzt und als dann schließlich noch zur  Chacarera gebeten wurde, war die Stimmung wirklich am Höhepunkt.

 

Mit dem Versprechen, daß die Salzburger Tangofreunde  am 22. August zur Milonga nach Villach anreisen werden und als Geschenk einen Tangoshowtanz mit Michele und Raffaella im Gepäck haben werden, ging diese, wirklich beeindruckende Ballnacht zu Ende.

 

Daß „die Kärntner“ letztlich 2 Stunden später als geplant wieder mit dem Zug  nach Hause fuhren, tat der Freude über diesen gelungenen Abend keinen Abbruch.

 

Villach, am 20. August 2008

 

 

©Text u. Fotos Helmuth Ladstätter

                                                                           

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